Unscharf Maskieren

Wie arbeitet man mit dem Filter/Werkzeug „Unscharf Maskieren“, kurz USM

Wenn man die eigenen Bilder aus der Digitalkamera mit Bildern aus der Zeitung oder von Profis im Internet vergleicht, fallen einem an den eigenen Bildern viele Unzulänglichkeiten auf. Der Hintergrund für die meisten dieser suboptimalen eigenen Bilder liegt natürlich bei der Erfahrung des Fotografen und den damit einhergehenden falschen Entscheidungen bei der Aufnahme des Fotos beim Amateur.

Allerdings gibt es aber auch noch einige Dinge, die Profis bei den meisten Ihrer Bilder im Nachhinein noch am Computer machen, die fast alle Laien vergessen zu tun. Ein wichtiger Schritt vor der Veröffentlichung einer Fotografie ist das Nachschärfen. Eigentlich schärfen alle Profis Ihre Bilder noch nach, das gehört in den ganz normalen Workflow und nimmt mit steigender Erfahrung auch kaum mehr Zeit in Anspruch.

Eine der einfachsten und bekanntesten Methoden, wie man seine Bilder vor der Veröffentlichung noch nachschärft, ist das unscharfe Maskieren, was ich euch hiermit vorstellen möchte. Zu beachten bei jeder Methode des Nachschärfens ist, dass jedes Ausgabemedium (Druck, fürs Internet etc.) seine eigenen Bedürfnisse hat. Ich stelle hier nur das Nachschärfen fürs Internet mit normaler Auflösung (lange Kante ca. 800px) vor.

Unscharfes Maskieren, was ist das und wo kann ich es finden

Beim unscharfen Maskieren handelt es sich um einen Filter in Photoshop und Photoshop Elements. Finden kann man Ihn in Photoshop unter Filter àScharfzeichnungsfilter à Unscharf maskieren und in Photoshop Elements unter Überarbeiten àUnscharf maskieren.
Mit diesem Filter ist es möglich, schon vorhandene Details auf dem Bild viel stärker zu betonen. Dies geschieht indem jeder Farbübergang als mögliche Kante gilt. Wobei bei jeder Kante auf dem Bild der Kontrast stärker oder schwächer wird, je nachdem an welchen Reglern man dreht.

Die drei magischen Regler

Wenn Ihr den Filter „Unscharf maskieren“ aktiviert, findet Ihr drei Regler:

Stärke

Die Stärke gibt an, wie stark sich der Kontrast an den Kanten anhebt. Somit ist darauf zu achten, dass dieser Regler nicht zu schwach eingestellt wird, sonst sieht man kaum eine Veränderung der Schärfe. Auf der anderen Seite sollte der Regler auch nicht zu hoch gedreht werden, denn sonst geht die ganze Bildwirkung kaputt. Versucht es ruhig einmal und dreht den Regler bis voll an den Anschlag. Das Ergebnis ist unansehnlich.

Bei diesem Regler kann ich wirklich kaum Tipps geben, da es für jedes Bild völlig unterschiedlich stark angebracht ist, wie hoch der Regler gedreht werden sollte. Es sollte klar sein, dass es bei einem Tier Fell schön aussieht, wenn man fast jedes einzelne Härchen sieht aber bei einem Baby- Foto im Gegenzug halt die Haut so weich sein sollte, wie der Popo des selbigen.

Radius

Der Radius gibt an, wie viele Pixel bei der Kontrastanhebung der Kanten mit einbezogen werden sollen. Auch hier macht es natürlich Sinn bei einem Fell den Radius eher klein zu halten. Schliesslich möchte man ja jedes einzelne Härchen sehen und nicht nur den Kontrast des ganzen Fells zum ganzen Hintergrund anheben.

Bei mir haben sich hier Werte zwischen 0.5 und 3 ganz gut bewährt. Es kommt halt ganz auf das Ausgangsmaterial an.

Schwellenwert

Der Schwellenwert gibt an, wie gross der Tonwertunterschied sein muss, damit ein Übergang als Kante gilt. Der Tonwertunterschied ist der Unterschied zwischen zwei Farben, welche (in diesem Fall) nebeneinander stehen und in Zahlen zwischen 0 und 255 ausgedrückt wird. Wobei 0 keinen Unterschied bedeutet und 255 dem krassen Unterschied zwischen Schwarz und Weiss gleichkommt.
Was bedeutet das also für das unscharfe Maskieren: Je kleiner die Zahl, desto mehr Kanten werden hervorgehoben. Klingt im ersten Moment sehr gut für Bilder, bei denen wir möglichst viele Details abbilden möchten. Allerdings hat das Senken dieser Zahl auch einen gewaltigen Nachteil: Wenn es kaum einen Unterschied zwischen zwei Farben braucht, um als Kante zu gelten (und sie somit stärker dargestellt werden), dann entsteht natürlich (das häufig ungeliebte) Rauschen.
Auf der Anderen Seite ist natürlich auch zu beachten, dass ein hoher Schwellenwert dazu führt, dass kaum noch ein Farbübergang als Kante wahrgenommen wird und dementsprechend auch kaum mehr etwas geschärft wird.
Ich kann hier kaum eine Zahl empfehlen, da es einfach zu viele Faktoren gibt, von der diese Zahl abhängt. Hier aber einen Tipp: Wenn man hohe ISO- Werte verwendet hat, sollte man auch hier hohe Zahlen verwenden.

Der Workflow

Wer vorher brav mitgelesen hat, weiss nun, dass es fast nicht möglich ist ein Bild automatisch richtig zu schärfen. Das richtige Schärfen hängt einfach von zu vielen Faktoren ab, die ein Programm einfach nicht wissen kann. Somit sollte, wenn möglich, von Hand nachgeschärft werden. Damit dies aber in einem, vom Arbeitsaufwand her gesehen, akzeptablen Rahmen geschieht, habe ich einen Workflow generiert, welchen ich mit euch teilen möchte.

1. Voreinstellungen

Zuerst müssen wir die Regler in eine Ausgangslage bringen, mit der wir den jeweils zu bestimmenden Wert am besten ermitteln können. Dazu setzen wir den Radius auf 3, die Stärke auf mind. 400% und den Schwellenwert auf 0. Wer findet, dass jetzt schon ein Top- Ergebnis erzielt wurde kann aufhören und zum Augenarzt gehen. Denn das sieht jetzt natürlich absolut scheusslich aus, aber darum geht es momentan noch nicht.

2. Radius

Als Erstes muss der Radius eingestellt werden. Dieser ist eigentlich technisch gesehen der wichtigste Faktor. Allgemein gilt beim Radius; je feiner die Details und je geringer die Auflösung des Fotos, desto kleiner auch der Radius.

Jetzt regeln wir den Radius langsam solange herunter, bis die Halos an den Kanten verschwinden (oder nicht mehr so stören). Keinesfalls aber mehr herunter drehen, sonst gehen Details verloren. Man kratzt hier also an der Grenze des Zumutbaren.

3. Stärke

Nun regeln wir die Stärke ausgehend von der Zahl 60 immer höher rauf, bis das Bild ein bisschen überschärft aussieht. Hier kommen die persönlichen Vorlieben zum Zug. Je nachdem, was einem so gefällt, stellt man den Regler höher oder nicht. Es gibt hier kein technisches richtig oder falsch sondern nur ein gefällt, oder gefällt nicht. Wichtig ist aber ein wenig mehr zu schärfen, als man es eigentlich möchte. Denn mit dem folgenden Schritt wird es dann wieder etwas weniger scharf.

4. Schwellenwert

Beim Schwellenwert drehen wir den Regler solange hoch, bis das Rauschen nicht mehr stört. Evtl. darf ruhig noch etwas Rauschen drauf sein, da man beim Raufdrehen des Reglers ja auch wieder Details weichbügelt. Auch hier ist es also wieder ein Balanceakt. Man muss selbst entscheiden, wann es genug ist.

Fazit

Mit der Methodik des unscharfen Maskierens kann man ein Bild in einem angemessenen Zeitrahmen in Sachen Schärfe massiv aufwerten. Natürlich sind einem die Profis immer noch überlegen, da sie noch bessere (aber auch Zeitintensivere) Methoden zum Nachschärfen kennen und vor allem, weil sie bereits besseres Ausgangsmaterial erstellen. Trotzdem ist man den schönen Fotos schon einen Schritt näher gekommen.

Im nachfolgenden Bild könnt ihr den Unterschied gleich mal sehen:

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